Pressespiegel | Pressematerial

­Emil und Ada NoldeGollan macht die Bühne frei für Emil Nolde
Lübecker Nachrichten, 06.09.2020
Von Jakob Rieke

Er ist einer der bekanntesten Maler Nord­deutschlands, berühmt für seine expressiven, farbstarken Land­schaftsbilder und ein umstrittene Persönlichkeit – als „entarteter“ Künstler verfemt, war Emil Nolde gleichzeitig ein überzeugter Nazi. Mit dem „Nolde-Projekt“ bringt die Kulturwerft Gollan nun ein ungeschöntes Künstlerporträt auf die Bühne.

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Lübeck: Unzweifelhaft: Emil Nolde (1867–1956) ist als Künstler einer der bedeutendsten deutschen Maler der Moderne. Vor zwei Jahren stellte das Museum Behnhaus Drägerhaus die weltbekannten Aquarelle Emil Noldes in seinen Räumen aus und pries ihn als einen der „bedeutendsten Aquarellisten des 20. Jahrhunderts“. Er ist aber auch, und das nicht zu unrecht, höchst umstritten, und so zog im vergangenen Jahr in Berlin die Ausstellung „Emil Nolde – eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ große Aufmerksamkeit auf sich. Sie warf einen kritischen Blick auf den norddeutschen Maler, dessen Mitgliedschaft in der NSDAP bisher allzu nachsichtig heruntergespielt wurde.

Umstrittene Persönlichkeit

Jüngste Quellenforschungen zeichneten ein neues Bild des wichtigsten Expressionisten Schleswig-Holsteins: das eines verkappten Rassisten, der sich zuerst mit antisemitischen Äußerungen beim Regime im Dritten Reich anbiederte, sich nach seiner Diffamierung als „entarteter Künstler“ dieser Rolle jedoch geschickt bediente, um die mediale Wahrnehmung seiner selbst positiv zu beeinflussen. Ein krasser Gegensatz zu dem naiven Maler vom Lande, den Siegfried Lenz in seinem weltbekannten Roman „Deutschstunde“ in Anlehnung an Noldes Lebensgeschichte schuf.

Lasse Wagner, Finja Sannowitz, Anja Rochau, Horst Stenzel

An der veränderten Sachlage besteht inzwischen kaum noch Zweifel, und umso größerer Bedarf besteht an einer kritischen Rezeption der Kunst Noldes. Soll man sie vor dem Hintergrund seines offenkundigen Rassismus sehen? Oder losgelöst von seinem „Mensch-Sein“, wie Nolde 1949 in seiner bereinigten Autobiografie schreibt.

Am kommenden Wochenende bietet sich die Gelegenheit, in der Kulturwerft Gollan einen interessanten Ansatz zur Aufarbeitung dieser Problematik zu erleben. Der Regisseur und Autor Rainer Hansen hat unter dem Titel „Triumph der Farben“ ein Theaterstück über Leben und Kunst Emil Noldes auf die Bühne gebracht, das bereits am 4. September in Kiel Premiere feierte und noch bis November durch Schleswig-Holstein tourt.

Ein Theaterstück, das aus dem Rahmen fällt

In kurzen Szenen, verbunden mit Projektionen wichtiger Bilder, werden die Widersprüche zwischen Noldes politischer Einstellung und seinem künstle­rischem Schaffen aufgezeigt. Denn Noldes Bilder sind kompromisslos und machten seinerzeit keinerlei Zugeständnisse an die kulturellen Richtlinien des Dritten Reiches – ein Grund, warum Nolde bei Hitler persönlich in Ungnade fiel.

Hansen nennt diese Verweigerung Noldes, sich sowohl dem Zeitgeschmack als auch den Erwartungen von Goebbels Kulturministerium an eine „deutsche Kunst“ anzupassen, als Hauptgrund für seine mit gemischten Gefühlen durchsetzte Begeisterung für dessen Kunst. Sein Interesse an Nolde habe aber auch mit der eigenen Kindheit und Jugend zu tun, sagt der nord­deutsche Regisseur Hansen: „Meine väterliche Sippe wohnte in der Nähe Seebülls, und entgegen der damals gepflegten Legende der Verfolgung Noldes als entarteter Künstler durch die Machthaber war im ehemaligen, schon 1929 tiefbraunen Kreis Südtondern die stramme Nazischaft Noldes ein offenes Geheimnis.“

Das Drehbuch Hansens glänzt durch eine Sprache, die sich Einflüsse aus dem Hochdänischen, Niederdeutschen und Friesischen einverleibt hat und mit ungewohnter Syntax in sanft fließendem Rhythmus die Sprache Noldes nachbildet.

Dass Emil Nolde derzeit ein „heißes Eisen“ ist, erlebte das Team des „Nolde­projekts” bei der Suche nach Bühnen, die sich an dieses Thema heranwagen: Erst die Unterstützung der Städte Kiel und Lübeck und der Kulturstiftung des Kreises Nordfriesland ermöglichte eine Realisierung des Theaterprojekts.

„Triumph der Farben – Ein Theaterstück in fünf Bildern“ unternimmt den Versuch, ein Bild der Persönlichkeit dieses zwischen zwei Identitäten zerrissenen Mannes zu zeichnen, der von sich selbst sagte: „Das Malen war mein besseres Sein“.

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Das Ensemble des Noldeprojektes setzt sich unter anderem aus den nord­deutschen Schauspielern Horst Stenzel und Lasse Wagner und der jungen Nachwuchs­darstellerin Finja Sannowitz zusammen, die bisher an der Nieder­deutschen Bühne in Flensburg spielte. In ihrer Spielfreude durch die Corona­maßnahmen ungetrübt erarbeiteten sie ein Theaterstück, das buchstäblich aus dem Rahmen zu fallen verspricht.

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Atemloser Bilderbogen
Kieler Nachrichten, 06.09.2020
Von Sabine Tholund

Er war als „entarteter Künstler“ verfemt – und doch überzeugter Nationalsozialist und Antisemit. Die innere Widersprüchlichkeit Emil Noldes, der auch nach dem verhängten Malverbot seinem Stil treu blieb, ist nur ein Thema in Rainer Hansens biographischem Theaterstück Emil Nolde – Triumph der Farben.

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Theaterstück über Emil Noldes Leben
Schleswig-Holstein Magazin, 05.09.2020

Der Maler Emil Nolde ist bekannt für seine Blumen- und Landschaftsbilder. Aber er hatte auch ein spannendes Leben – und das ist nun in Kiel als Theaterstück zu sehen.

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Theaterprojekt: Emil Nolde – Triumph der Farben
NDR 1 Welle Nord, 04.09.2020
Autorin: Lina Bande

Er war glühender Nazi und gleichzeitig entarteter Künstler: Emil Nolde ist umstritten, zumindest als Mensch. Das Noldeprojekt zeigt nun ein ungeschöntes Porträt des Künstlers.

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Interview mit Maikrofon – Kultur im NordenInterview mit Maikrofon
Facebook, 29.08.2020

Ein halbstündiges Interview des Facebook-Kanals „Maikrofon – Kultur im Norden” gibt Einblick in die Proben des Ensembles in der Niederdeutschen Bühne Kiel. Die beiden Hauptdarsteller Horst Stenzel als Emil und Finja Sannowitz als seine Frau Ada erzählen von ihren Rollen und der Beziehung der beiden Noldes. Drehbuchautor und Regisseur Rainer Hansen beleuchtet das vielschichtige Bild, das die Öffentlichkeit von diesem herausragenden Maler hat, mit einzelnen Facetten in biografischen Szenen.

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Ein einsamer Januskopf
Kieler Nachrichten 02.09.20
Von Christian Strehk

Vor der Uraufführung im Theater am Wilhelmplatz: „Emil Nolde - Triumph der Farben“

KIEL. „Rein sympathisch wer den wir ihn ganz sicher nicht zeichnen”, berichtet der Schauspieler Horst Stenzel über seine aktuelle Figur, den berühmten Expressionisten und allerersten Kieler Kulturpreisträger Emil Nolde. „Aber in der Unbedingtheit, was seine Malerei angeht, die sich explizit nicht dem launischen Zeitgeist opfern wollte, da finde ich ihn schon sehr stark drin.“ Stenzel verkörpert den Künstler im Noldeprojekt von Autor und Regisseur Rainer Hansen, das am Freitag im Kieler Theater am Wilhelmplatz als „dramatische Biografie” unter dem Titel Emil Nolde – Triumph der Farben uraufgeführt werden soll.

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Hansen will den widersprüchlichen, menschlich fragwürdigen, künstlerisch kompromisslosen „Schöpfer der Moderne” als eine gespaltene Persönlichkeit darstellen, als glühenden Verehrer Hitlers, gleichzeitig aber als anLeib und Leben gefährdeter „entarteter Künstler“. Den Impuls dazu spüre er schon lange, denn seine Familie väterlicherseits komme aus der Nähe von Niebüll und ein Großonkel habe eine größere Komparsenrolle in der Verfilmung von Lenz’ Deutschstunde gehabt: „Vom Widerstand bis zur Waffen-SS war im väterlichen Familienzweig alles vertreten. Nolde war immer Thema bei uns in der Familie. Bei uns in Nordfriesland war es ein offenes Geheimnis, dass er Nazi war, auch wenn da lange ein völlig anderes Image gepflegt wurde.”

„Der biografische Stoff um Emil und Ada Nolde
schreit geradezu nach einer szenischen Fassung.“
Dr. Rainer Hansen, Autor und Regisseur

Seit 2018 habe sich einiges in der Neubewertung der von Nolde und seiner Frau Ada selber manipulierten Quellenlage getan – nicht zuletzt durch die bemerkenswerte Ausstellung im Hamburger Bahnhof Berlin und die Forschungsarbeit der Nolde Stiftung in Seebüll. Mit ihr stehe man zunehmend in Kontaktund habe von ihr finanziell aufwendige Bildrechte erworben, auch, um Zeitsprünge in den knappen Szenen über die Spanne von 1883 bis zum Tod der ersten Frau Ada im Jahr 1946 anschaulich zu machen. Hansen: „Wie das in Deutschland manchmal so ist: Das Pendel scheint derzeit fast zu stark in Richtung des Nazi-Etiketts zurückzuschlagen. Wir versuchen eher, das Zerrissene hervorzukehren.“

Fünfzig Zuschauer finden unter Coronaschutz-Hygienebedingungen derzeit im historischen Theaterraum der Niederdeutschen Bühne Kiel Platz. Mit zwei Lüftungspausen soll der Fünfakter strukturiert werden. Und an etlichen weiteren Orten soll das Stück die Diskussion anregen. Etwas finanzielle Unterstützung gab es deshalb nicht nur von derStiftung Nordfriesland, sondern auch von den Städten Kiel und Lübeck.

Horst Stenzel faszinieren an Nolde „seine Dämonen, wie der wahnsinnige Himmel, der über ihm dräut; die Einsamkeit dieses Menschen, die ihn zwingt, in der Wattlandschaft alles herauszubrüllen ...“ Ohne seine Ada, gespielt von der jungen Flensburger Schauspielerin Finja Sannowitz, wäre vieles für den janusköpfigen Eigenbrötler nicht möglich geworden, sie habe die entscheidenden Verbindungen geknüpft und „tiefe Löcher in seinem sozialen Verhalten“ überbrückt. Die nationalsozialistische Gesinnung mit antisemitischen Tendenzen sei bei dem Künstler und vor allem in seiner Kunst schwer konkret zu fassen, so Stenzel: „Beispielsweise sind ja alle seine Menschendarstellungen expressionistisch überzeichnet.“

Vorgesehen seien sechs Darsteller und eine Sprache mit zeitgenössischer Patina, die sich an schriftlichen Zeugnissen orientiere, so, „wie Nolde auch gesprochen haben soll”, erläutert Hansen. Er findet es erstaunlich, dass sie die ersten seien, die eine dramatische Biografie inszenieren: „Der Stoff schreit nach einer szenischen Fassung.“

© Premiere im Theater am Wilhelmplatz am Fr., 4. September, um 19.30 Uhr, weitere Termine dort am 5. und 6. September (Tickets: Theaterkasse Kiel, 0431/ 901 901); später weitere Aufführungen: Traum GmbH und Kulturforum Kiel sowie in Itzehoe, Lübeck, Niebüll und Flensburg. Internet: www.noldeprojekt.de

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Flensborg Avis 4.6.2020Resümee | Flensborg Avis, 04.06.20
Um den norddeutschen Expressionisten und seit 1920 dänischen Staatsbürger Emil Nolde ist seit einigen Jahren eine scharfe Debatte entbrannt. Dies bekam auch das Theaterprojekt „Triumph der Farben” zu spüren, denn die Suche nach Bühnen für die Aufführungen gestaltete sich schwierig.

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Gerade die großen Häuser in Schleswig-Holstein gaben mindestens zwischen den Zeilen zu erkennen, dass das Eisen Nolde ihnen zu heiß war, so der Autor und Regisseur Rainer Hansen aus Mohrkirch in Angeln.

Das Publikum wird zum Augenzeugen im mehrfachen Sinne des Worten von der Macht, die von der Farbenprächtigkeit der Bilder Noldes ausgeht.

Die Premiere wird am 4. September am Theater am Wilhelmplatz in Kiel stattfinden. Danach wird das Stück im TraumGmbH und Kulturforum in Kiel aufgeführt bzw. in Itzehoe, Lübeck, Niebüll und Flensburg.

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Radio-Interview auf DR | P4 Syd

Interview zum Noldeprojekt von Sonntag, 21.06.20, mit Henrik Kellberg, Rainer Hansen, Autor & Regisseur, und Jens Klastrup, Scenograph & Produktmanagement, unter folgendem Link:
Radiobeitrag von 21. 06.20 auf DR | P4 »
Das Interview beginnt ab 2:09:10 und läuft bis 2:22:50, unterbrochen von Musik. In dänischer und deutscher Sprache.